Hören Sie schlecht?

Werden Sie angesprochen, sie sollten den Fernseher nicht so laut machen? Haben Sie das Gefühl, alle sprechen so leise und so undeutlich? Verstehen Sie ihre Frau/Ihren Mann nicht mehr? Haben Sie das Gefühl, Sie hören alles, verstehen aber nicht richtig? Verstehen sie schlecht bei Nebengeräuschen?
Dann sollten Sie natürlich erst mal bei einem HNO Arzt Ihre Ohren untersuchen lassen. Hierbei wird zunächst untersucht, ob Sie überhaupt schlecht hören und wenn ja warum. Besteht eine Schwerhörigkeit kann  es je nach Ursache vielleicht heissen; "Sie brauchen ein Hörgerät".

Bei der Hörgeräteversorgung werden sie mit einer Vielzahl von Begriffen konfrontiert, von denen ich Ihnen einige erklären möchte.


Glossar

Audiogramm

Im Audiogramm werden alle Informationen zusammengefasst, die den spezifischen Hörverlust des Patienten charakterisieren und für die Einstellung des Hörgerätes wichtig sind. Unter anderem wird gekennzeichnet, in welchen Frequenzbereichen der Patient einen wie starken Hörverlust hat. Man unterscheidet ein Tonaudiogramm, bei dem die Tonhörschwelle bestimmt wird, und ein Sprachaudiogramm, bei dem das Verständnis von Zahlwörten und Einsilbern bei Umgangssprachlautstärke überprüft wird.

Defokussierung

Moderne Tinnitustherapie, die auf der Fähigkeit des Gehirns beruht Wichtiges von Unwichtigem zu unterscheiden und Unwichtiges nicht in das Bewußtsein gelangen zu lassen. Die Tinnitus-Retraining Therapie nutzt auch das Prinzip der Defokussierung, allerdings mit hohem personellem und finanziellem Aufwand.

Einschaltverzögerung

Das Einsetzen eines Hörgerätes ins Ohr kann mit unangenehmen Rückkopplungen (Feedback) verbunden sein. Um dies zu verhindern, kann eine mehrsekundige Einschaltverzögerung eingestellt werden, so dass sich das Gerät erst einschaltet, wenn es sich im Ohr befindet.


Frequenzen

Unser Hörvermögen kann in bestimmte Bereiche von Tonhöhen, die in Herz (Hz.) gemessen werden, aufgeteilt werden. Die bei der Messung des Hörvermögens untersuchten Frequenzen liegen zwischen  125 Hz und 8000 Hz. Hörverluste treten oft zuerst im Hochtonbereich auf, da die Haarzellen, die für die Impulse in diesem Frequenzbereich verantwortlich sind, in der Hörschnecke am Anfang liegen und als erstes von schädigenden Höreinflüssen betroffen sind. Therapeutisch interessant sind die Frequenzen zwischen 500 und 3000 Hz, der sogenannte Hauptsprachbereich. Liegt die Hörminderung in diesem Bereich kann eine Hörgeräteversorgung erforderlich werden.

Frequenzkanäle

Das Hörgerät wird gemäß Audiogramm in unterschiedlichen Frequenzkanälen dem individuellen Hörverlust des Patienten angepasst. Je mehr einstellbare Hörkanäle ein Hörgerät aufweist, desto besser kann es dem Hörvermögen des Patienten angeglichen werden.

HdO Geräte

Geräte die hinter dem Ohr getragen werden nennt man HdO (hinter dem Ohr). Die Geräte werden nicht selten von Patienten aus kosmetischen Gründen abgelehnt. Sie haben aber Vorteile in der Handhabung und im Preis.
Geräte zur offenen Versorgung werden allerdings ebenfalls hinter dem Ohr getragen.

Hörsturz

Ein Hörsturz ist durch einen plötzlichen, starken bis vollständigen Hörverlust auf einem, sehr selten auch auf beiden Ohren ohne äußere Ursache gekennzeichnet. Er ist vermutlich auf Durchblutungsstörungen häufig auch in Verbindung mit Stress zurückzuführen. Ein Hörsturz kann ein Warnsignal sein für eine Überforderung. Durch den Hausarzt sollte eine arterielle Verschlußkrankheit oder eine Fettstoffwechselstörung ausgeschlossen werden. Der Hörsturz gilt als medizinischer Eilfall. Um einem bleibenden Hörverlust vorzubeugen, muss ein Hörsturz schnell medizinisch behandelt werden.

Im-Ohr-Geräte (IdO)

IdO-Geräte sind in unterschiedlichen Baugrößen lieferbar. Die Größe des Hörgerätes richtet sich unter anderem nach der benötigten Verstärkungsleistung und dem technischen Leistungsumfang des Gerätes. Das IdO Gerät sitzt aufgrund seiner geringen Baugröße im Gehörgang. 

Kontrolltöne

Unterschiedliche manuelle Einstellungen am Gerät werden mit unterschiedlichen Kontrolltönen quittiert, so dass der Patient weiß, welche Einstellung er gerade gewählt hat.

Offene Versorgung

Während klassische Hinter-dem-Ohr-Geräte den Hörschlauch mit Hilfe eines individuellen Ohrpassstückes im Ohr fixieren und damit den Hörkanal fast vollständig verschließen, wird bei der offenen Versorgung der Hörschlauch mit Hilfe eines Silikonrades mit offenen „Speichen“ im Ohr verankert. Die Vorteile: Der Hörkanal wird nicht verschlossen, das verbliebene natürliche Hörvermögen nicht beeinträchtigt, das Hörgerät wird praktisch gar nicht gespürt. Der Nachteil: Diese Form der Versorgung ist nur für Hörverluste vornehmlich im höheren Frequenzbereich geeignet.

Rückkopplungsunterdrückung

Rückkopplungen (Feedback) entstehen, wenn Mikrofon und Lautsprecher so nebeneinader sind, dass durch das ständig sich selbst verstärkende Signal ein lautes Pfeifen entsteht. Um dieses zu verhindern, misst das Feedback Management ständig, in welchen Frequenzbereichen Rückkopplungen entstehen und erzeugt einen Gegenton, der das Pfeifen neutralisiert. Diese Neutralisierung funktioniert, ohne dass die betroffene Frequenz herunterreguliert werden muss, was die benötigte Verstärkung beeinträchtigen würde.

Spracherkennung und Geräuschunterdrückung

Digitale Technologie macht es möglich: Moderne Hörgeräte sind in der Lage, Sprache von Umgebungsgeräuschen zu trennen und so zu verstärken bzw. zu dämpfen, dass auch in geräuschvoller Umgebung ein gutes Sprachverständnis möglich ist.

Tinnitus

Tinnitus ist ein andauerndes oder ständig wiederkehrendes Ohrgeräusch. Es gibt sehr verschiedene Geräusche.
Die Folge sind Schlafstörungen, Nervosität, psychische Belastung. Die genauen Ursachen für Tinnitus sind nicht vollständig bekannt und sehr vielfältig, bekannte AUslöser sind jedoch Streß und Lärmbelastungen, Kiefergelenkserkrankungen und Halswirbelsäulenprobleme..
Eine Behandlung kann langwierig sein und basiert meist auf einem Training, das das Gehirn in die Lage versetzt, den störenden Ton dauerhaft auszufiltern. (Defokussierung, Retraining)

Volldigitale Hörsysteme

Im Gegensatz zu analogen Systemen finden alle elektronischen Prozesse auf einem winzigen Chip statt. Die moderne digitale Technologie erlaubt es, je nach Leistungsumfang des Hörgerätes, das natürliche Hörempfinden nahezu naturgetreu zu simulieren. Die Einstellung erfolgt nicht, wie bei analogen Systemen manuell über winzige Rädchen, sondern über den Computer. Moderne Hörgeräte sind heute Digital.

Wer zahlt die Hörgeräte?

Wenn sie indiziert sind, werden Hörgeräte von der gesetzlichen Krankenkasse  bezahlt (bis auf die gesetzliche Zuzahlung von 10 €). Hierbei handelt es sich heutzutage  im Allgemeinen um einfache digitale Geräte. Wünscht man ein kleineres Gerät, eine ausgefeiltere Technik oder Form, so kann man auf den Betrag, den die Krankenkasse leistet, eine Zuzahlung leisten.
Ob und wieviel Ihre private Krankenversicherung zahlt, hängt von Ihren Vertragsbedingungen ab.